Grünberockte... 

Der Tunesien-Urlaub war absolut. Land und Leute mit dem Auto erleben von den Tagesmühen heimkehren und bei Muttern futtern. So habe ich mir die einfache Versorgung meiner Ess-, Schlaf- und Beziehungsbedürfnisse immer vorgestellt. Nicht viel oder gar nichts dafür tun müssen - aber verwöhnt werden.

Irgendwie verspürte ich immer ein beklemmendes Gefühl meine Heimat zu verlassen. Wohl Spuren der Berichterstattung durch die Medien. In der Rückkehr lag immer Erleichterung endlich wieder deutschen Boden unter den Füssen zu wissen. Obwohl in keinem der von mir bereisten Länder ist es mir schlecht ergangen oder habe ich irgendwelche besonderen Unwägbarkeiten über mich ergehen lassen müssen. Ganz im Gegenteil!

Diese Stimmungslage beim Ein- oder Ausreisen kann ich nicht erklären. Sie ist und war einfach immer da.

Nichts Böses ist je geschehen, mir ist in den fernen Ländern nur Gutes widerfahren. Wildfremde Menschen haben mir geholfen, mich begleitet und unterstützt.

Aber das Nachhause kommen ist eben das nach Hause Kommen.

Ihre Papiere Bitte.
Öffnen sie bitte den Kofferraum.
Haben sie etwas aus der Schweiz mitgebracht das sie verzollen müssen.

Nein hatten wir nicht.

Und was ist das, triumphierend hielt der Zöllner einen Messingmörser in der Hand.

Schwer ist das Ding.

In seinen Augen lag der erwischt Funken. Leicht auf die Zehenspitzen wippend, seinen Fund beäugend, wollte er wissen woher das Ding denn käme.

Aus Tunesien kam Wahrheitsgemäß. Er hätte doch gefragt ob wir was zu verzollen hätten. Warum wir dieses mortz Ding verschweigen hätten.

Genau das war der Punkt hier war er bei mir genau an der richtigen Adresse. Freundlich erinnerte ich Ihn an seine Frage was wir aus der Schweiz mitbringend verzollen müssten. Er habe natürlich alle Länder die wir bereist hätten gemeint.

Das war ein weiterer Fehler. Als Amtsperson müsse er sich klar ausdrücken, schließlich könne er nicht verlangen, dass wir die Bürger dieses Landes aus seinem Gesagten sein Gemeintes ableiten können.

Klare Fragen führen zu ebensolchen klaren Antworten.

Der hinter ihm stehende ältere Kollege grinste leicht verschmitzt, schwieg aber.

Der könnte ja aus Gold sein, den Finger seiner Rechten auf den Mörser der angehobenen Linken gerichtet.

Das wolle er nun prüfen, wir sollten hier warten.

Als ob wir woanders hin könnten!

Hinter uns die Schweizer Grenze vor uns ein Schlagbaum.

Wir wollen das mal glauben, kam es langsam und gedehnt als Resultat der Prüfung.
Damit war ich gar nicht zu frieden.
Eine amtliche Prüfung ist eine amtliche Prüfung und so wie er sich ausdrückt bleibt ein Restverdacht.
Es ist Messing oder es ist Gold und das möchte er das doch bitte eindeutig klären.

Konnte er aber nicht.

Die Koffer kamen zur Inspektion. Eifrig bemüht genau zu sein oder um doch noch etwas Unerlaubtes zu finden, sah er einen Koffer nach dem anderen an.


In dem Moment als er beim Koffer meiner Begleiterin die Sicherung des aufgeklappten Teiles lösen wollte, genau in diesem Moment landete ihre flache Hand auf der seinen, das es nur so klatschte. Mit solcher Wucht, das es ihn recht schmerzen musste.

Dir Tirade die er über sich ergehen lassen durfte war noch um einiges schlimmer. Er hätte wohl keine Erziehung genossen. Oder noch nie einen solchen Koffer gepackt, wie er denn auf diese absurde Idee überhaupt kommen könne den senkrecht stehenden Teil eines Koffers zu öffnen.

Und ob er denn die sorgfältig gelegte Wäsche wieder so ordentlich zusammenbringen würde.

Unter Mord und Zeter drehte sie den Koffer und deutete ihm das er jetzt seine Inspektion fortsetzen möge.

Sein älterer Kollege verkniff sich das Lachen, Mit leicht gepresstem Mund sah er dem Treiben wortlos zu.

Seine Augen aber lachten, sie lachten laut und schallend, sie wieherten gerade zu.

Aber sein Mund blieb stumm.

Anscheinend lernend, weil weniger forsch, dafür fragend ob er denn dürfte, glitten seine Finger in die von Ihm auserwählte Plastiktüte.

Sein Gesichtzug entglitt in selben Moment, die Finger schnellten aus der Plastiktüte, zu spät hatte er die Abfalltüte erkannt. Apfel-, Melonen-, und Bananenreste gemischt mit unzähligen Weißbrotkrümeln kamen zum Vorschein.

Höflich bedankte sich er junge Zöllner, wünschte uns eine gute Weiterfahrt und entschwand schnellen Schrittes in Richtung Zollgebäude.

Sein älterer Kollege wünschte uns ebenso eine gute Fahrt, augenzwinkernd und vor lachen kaum sprechen könnend, er konnte sich einfach nicht mehr zurückhalten, wir verstanden nur noch – die frischen, jungen Kollegen … von der Ausbildung… bräuchten einige Zeit… Der gerade hätte gleich mehrere Lektionen auf einen Streich gehabt.
Fröhlich und laut lachend, sich auf die Oberschenkel klopfend zog er von Dannen....

Der Schlagbaum öffnete sich – langsam rollten wir rüber, zu Hause!