Dittmar Vonau, 13. Februar 2009

Keiner konnte ihm sagen, was die Wahrheit ist und ob das, was er für die Wahrheit hielt, auch die Wahrheit war. Zu sehr hatte er das Gefühl, dass sich ihm immer und immer wieder eine neue, eine andere Wahrheit eröffnete. Ohne dass sich die Wahrheit davor gänzlich als Unwahrheit oder gar als falsch erweist. Zum Teil war sie noch wahr, aber zu einem anderen auch wieder nicht. Sie drehte sich und wandte sich.

Sie drehte sich und wandte sich wie Silberbronze, mit der in seiner frühen Jugend Ofenrohre wieder aufgehübscht wurden, wenn er davon ein wenig in Benzin tropfen ließ.
Sie wurde einfach nur anders, die Wahrheit. So, wie damals als Kind, als sich herausstellte, dass seine Eltern auch nur Menschen waren. Oder die Lehrerin beim gemeinschaftlichen Ausflug keine Tischmanieren zeigte.

Sie blieben das, was sie waren, zum einen Eltern und zum anderen Lehrerin. Die Wahrheit in beiden Fällen aber war eine andere, eine neue, veränderte Wahrheit.

Das Bild der Lehrerin, beschädigt durch den mangelnden Respekt seiner Esskultur, nahm eine andere Färbung, viel schlimmer,eine andere Gewichtung an. Sein Respekt und auch die scheinbar unantastbare aufschauende Sichtweise, das Verständnis des Grundschülers der Erwachsenenwelt gegenüber, veränderten sich. Veränderte sich schlagartig. Alles, was er gelernt hat, wie er erzogen war, was er glaubte, was er gelebt hat, das alles war verändert.