Dittmar Vonau, Dezember 2008

Diese wahrlich nicht überraschende Erkenntnis war es, die mir auf Schritt und Tritt treu zur Seite stand und diesen Platz immer noch einnimmt. Es verändert sich nichts!

Sollte ich allen Ernstes darüber nachdenken und mir den Kopf zermartern oder gar die Laune verderben. Ist es nicht besser, einfach den weiten Umhang des Lebens auf der Rechten oder der Linken mit einer leicht schwingenden Armbewegung weit zu öffnen, um abzudecken, was unerwünscht?

 

Dittmar Vonau, Dezember 2008

Diese wahrlich nicht überraschende Erkenntnis war es, die mir auf Schritt und Tritt treu zur Seite stand und diesen Platz immer noch einnimmt. Es verändert sich nichts!

Sollte ich allen Ernstes darüber nachdenken und mir den Kopf zermartern oder gar die Laune verderben. Ist es nicht besser, einfach den weiten Umhang des Lebens auf der Rechten oder der Linken mit einer leicht schwingenden Armbewegung weit zu öffnen, um abzudecken was unerwünscht?

„Sind Sie der Nächste?“ …der Nächste? „Sie sind doch der Nächste, nicht wahr?“

Es gab eine Zeit, da hätte ich alles dafür gegeben, Veränderungen und das Entstehen dieser Veränderung zu verstehen. Wie oft hatte ich das Gefühl gerade in diesem einen Moment alles zu verstehen, zu begreifen, sehr klar zu sehen. Und im nächsten Moment war es wieder weg.

Als würden in meinem Gehirn hier Falltüren, da Dachluken oder Portale geöffnet und Durchlass gewähren. Ich stehe dabei und sehe wie die Gedanken die eben geöffneten Wege ausprobieren, Rückmeldung geben und Informationen weiterleiten. Ein mächtiges Kristallklar keimt in mir auf, überzieht alles wie mit einem Zuckerguss. Logisch und völlig verständlich, so ist es und nicht anders. Genauso blitzartig wie gekommen ist diese Klarheit auch schon verronnen. Einen Wimpernschlag nur, ähnlich der ab und an empfundenen Glückseligkeit. Einen Wimpernschlag Antworten auf alles und jedes.

Dann vorbei!

Ist dieses Kristallklar, das mich völlig einnimmt als würde es Stunden andauern, sind das die Geistesblitze, von denen so gern die Rede ist? Oder doch nur eine Funktionsstörung?

Wenn einige Menschen oder gar viele es so oder so ähnlich erleben, warum spricht dann keiner davon?

„Nun machen Sie schon, Sie sind dran!“ Ich bin dran, ich bin dran, was bitte – ich bin mit meinen Gedanken beschäftigt, lass mich in Ruhe…, ich bin dran.

ICH BIN DRAN?

„Wo waren Sie mit Ihren Gedanken, Sie waren ganz schön weit weg.“ Ich wollte die Stimme nicht hören. Ich wollte bei mir, in meinen Gedanken bleiben. Es passt jetzt nicht, bitte, später, jetzt nicht! Die Frauenstimme hört nicht auf – MAN Frau zerstöre meine Gedanken nicht – mit einem leichten Luftausstoß durch das linke Nasenloch, begleitet von einem verzerrten Lächeln, gebe ich auf - der Faden ist sowieso weg! 


So intensiv, so anhaltend ist dieser Zustand selten gewesen. Noch seltener habe ich dabei die ablaufenden Gedanken steuern können. Es passiert sonst einfach, das jetzt gerade war anders. „Sie müssen schon mitmachen, sonst geht das nicht“ die kann nicht aufhören. „RUHE“ donnert es aus meinem Innersten. Ich schrecke selbst zusammen, als ich die grollenden Töne meiner eigenen Stimme höre.

Pause. Einen Moment Stille.

Seltsam, die Stimme der Frau ertönt nicht, beginnt nicht auf mich einzureden.

„Was ist denn und wo sind Sie gerade?“ die Frauenstimme klingt leise, freundlich, verständnisvoll. Lange Haare werden sichtbar, ein ebenes Gesicht taucht auf, ich hatte etwas anderes erwartet, eine verhärmte junge oder alte Schachtel. Meine Augen erfassten einen zu langen und zu dünnen Hals. Das Kinn leicht spitz, echte Kusslippen, durch die langen, glatten Haare noch betont.

Wie soll es anders sein: das volle Triebprogramm startet sofort durch. Hier ein Turbolader, da noch ein Kompressor. Alle Batterien machen sich bereit, um auf kleinste Signale, von ihr beabsichtigte oder nur von mir als solche ausgelegt, mit einem Alarmstart zu antworten. Der Körper gibt alles, bringt sich in Stellung, will seine Gene weitergeben. Reproduktion allererster Güte.

Lechz!

Die Art erhalten! Schützen vor den Angriffen potentieller Verdränger, die nichts anderes im Sinn haben als uns Hominide die Vorherschaft auf diesem Planeten zu entreißen. Vervielfältigungstrieb schützt die Gattung Mensch davor, sich von anderen Spezies verdrängen zu lassen.

Vom Alarmstart bis zur vollständigen Mobilisierung waren es gerade mal googlemäßige 0,025 Sekunden, wenn nicht noch schneller. Mutter Natur hat wirklich gute Arbeit geleistet. Das ist eine Topgeschwindigkeit, die uns Männer eine Männchen machende Position einnehmen lässt.

Achtung! Was für ein Begierde auslösendes weibliches Wesen!

Mich wundert männliche Reaktionen schon lange nicht mehr.

Prall geformt und mit einem Mund ausgestattet, der an alles denken lässt außer an Nahrungsaufnahme. Und wenn überhaupt, dann später, viel später, ekkkkkkkstatisch viel später. Vielleicht, wenn überhaupt.

Ich bin dran, jetzt und sofort. Ich! 

Haben Sie alles dabei? Ja, natürlich. Der Alarmstart Check lief schon zum x-ten Mal durch, was für eine Frage.

Ihre perfekten Kusslippen formen sich und sie haucht etwas wie, Gut – dann können sie mir ja alles geben.

Als erstes ihre...

...nun sag schon ich bin turbo-bereit,

ihre Steuer - was? - Nummer? - können Sie mir ja alles geben... - bitte?

...meine Alarmstart - Steuer... Nummer... ääähhm...

Ppppffff...

 

Dittmar Vonau, Dezember 2008